Wie weit reicht der Akku beim E-Bike?

Was bedeutet Akkukapazität?

Im Zusammenhang mit dem Akku fällt immer der Begriff Akkukapazität. Doch worum handelt es sich genau und was bedeutet die Bezeichnung Wattstunden? Die Kapazität gibt an, welche Menge an elektrischer Ladung der Akku zur Verfügung stellen kann. Dieser Wert wird meist in Wattstunden, manchmal aber auch in Amperestunden angegeben. Anhand der Wattstunden wird ersichtlich, wie viel Watt der Akku in einer Stunde abgibt. Ein 500 Wh Akku ist also theoretisch in der Lage, über einen Zeitraum von einer Stunde eine Leistung von 500 Watt zu liefern. Oder anders interpretiert: Der Akku hält im Vergleich zu einem E-Bike Akku mit einer geringeren Kapazität bei gleicher Leistungsabgabe länger durch. Sollte die Kapazität in Amperestunden (Ah) angeben sein, hilft zum direkten Vergleich ein Umrechnen des Wertes in Wattstunden (Wh). Die Formel hierzu lautet Wh = Ah x Volt (V).

Wie lange reicht der Akku beim E-Bike?

Wie weit der Akku beim E-Bike reicht hängt von mehreren Faktoren ab. Einen entscheidenden Einfluss hat die Akkukapazität des E-Bikes. Eine höhere Kapazität bietet im direkten Vergleich bei gleichen Bedingungen mehr Reichweite. Zu den Bedingungen zählen unter anderem der persönliche Fahrstil, die topographischen Gegebenheiten, der Zustand des Akkus sowie die Ausstattung. Gegenwind, steile Anstiege und das Fahren mit der stärksten Unterstützung minimieren die mögliche Reichweite ebenso wie breite Reifen, ein geringer Reifendruck oder eine hohe Zuladung. Ein weiterer Faktor, der den Aktionsradius deutlich verkleinert, ist eine niedrige Außentemperatur. Die genaue Angabe der E-Bike Reichweite ist somit kaum möglich. Den von vielen Herstellern angegebenen Werten liegen oftmals optimale Bedingungen zugrunde, die in der Praxis nur schwer realisierbar sind.

Auf die E-Bike Reichweite haben unter anderem folgende Faktoren Einfluss:

  • Die Akkukapazität
  • Der individuelle Fahrstil (Unterstützungsmodus, Schaltverhalten, Trittfrequenz)
  • Das Terrain (Bodenbeschaffenheit und Anstiege)
  • Das Gesamtgewicht des E-Bikes und das Gewicht des Fahrers
  • Der Zustand des Akkus (Alter, Anzahl der Ladezyklen)
  • Die Außentemperatur

Realistische und praxisnahe Werte: R200 Norm sorgt für mehr Transparenz bei den Angaben

Angesichts der vielen Faktoren, die Einfluss auf die Reichweite haben, erscheint ein Vergleich zwischen einzelnen E-Bike Modellen und Antrieben nahezu unmöglich. Transparenz kann nur eine Norm schaffen, die mit festen Eckpunkten einheitliche Bedingungen gewährleistet. Solch eine Norm ist der von Bosch eBike Systems und ZIV mit Unterstützung der Unternehmen Accell Group, Shimano und Velotech initiierte „Normierte Reichweitentest R200“. Hierbei werden die E-Bikes auf einen einheitlichen Unterstützungsfaktor von 200 Prozent normiert. Bei den geprüften Modellen wird eine durchschnittliche Fahrerleistung von 70 Watt mit 140 Watt unterstützt. Die Norm legt aber nicht nur die durchschnittliche E-Bike Trittfrequenz und Geschwindigkeit fest, sondern zusätzlich weitere Faktoren wie beispielsweise die Geländeart, die Windbedingungen und das Gewicht. Die vorgegebenen Parameter orientieren sich an realen Fahrbedingungen, wodurch die ermittelten Angaben relativ realistisch sind.

Berechnungsprogramm von Bosch hilft beim Bestimmen der E-Bike Reichweite

Ein sehr hilfreiches Online-Tool zur Bestimmung der Reichweite bietet Bosch mit dem eBike Reichweiten-Assistenten an. In dem Formular kannst Du für eine genauere Berechnung neben der Durchschnittsgeschwindigkeit und dem gewünschten Unterstützungsmodus viele weitere individuelle Eckdaten eingeben. Der Reichweiten-Assistenz ist natürlich auf die unterschiedlichen Bosch E-Bike Systeme ausgelegt. Aber auch bei diesem Service ist zu beachten, dass es sich bei den berechneten Daten um Schätzwerte und Annäherungen handelt, die vom tatsächlichen Ergebnis abweichen können. Das E-Bike Berechnungsprogramm von Bosch findest Du unter https://www.bosch-ebike.com/de/service/reichweiten-assistent/

Welche Akkukapazität sollte ein E-Bike beim Kauf haben?

Beim Kauf eines neuen E-Bikes sollte die Akkukapazität den individuellen Anforderungen entsprechend gewählt werden. Bei Fahrten im anspruchsvollen Gelände oder bei Touren mit hohen E-Bike Reichweiten kommt nur eine starke Batterie in Frage, die selbst nach vielen Kilometern das System mit ausreichend Energie versorgen kann. Somit ist es kaum verwunderlich, dass im Trekking- und besonders im E-Mountainbike-Bereich sehr kapazitätsstarke E-Bike Akkus zum Einsatz kommen. Kapazitäten von über 500 Wh sollten hier als Minimum angesetzt werden. Eine äußerst variable Lösung für ein Plus an Kilometern ermöglichen die sogenannten Range Extender. Diese bieten die Option, die Akkukapazität mittels eines Zusatzpacks bei Bedarf schnell und einfach zu erhöhen. Für kurze Wege im Alltag reichen meist Akkus mit einer geringeren Kapazität. Viele City und Urban E-Bikes sind daher „nur“ mit einem 400 Wh Akku ausgestattet.

Mit welchen Maßnahmen kann die E-Bike Reichweite erhöht werden?

Um die E-Bike Reichweite zu erhöhen, sollte die Unterstützung bedacht gewählt werden. So sollte eine hohe Tretunterstützung - wenn möglich - nur bei steilen Anstiegen oder starkem Gegenwind zum Einsatz kommen. Ein vorausschauendes Fahren und cleveres Schalten hilft ebenso die Reichweite zu maximieren. Hohe Trittfrequenzen senken den Energieverbrauch. Als Optimum gelten Drehzahlen um die 60 bis 70 Umdrehungen pro Minute. Die Wahl der Reifen kann zusätzlich für ein Plus an Kilometern sorgen. Vielfahrer auf der Straße sollten daher auf leicht rollende Reifen wechseln. Wichtig ist ebenfalls der Schutz des Akkus vor Kälte. Im Handel sind diesbezüglich spezielle Isolierungen erhältlich, mit denen an frostigen Tagen der E-Bike Akku unkompliziert ummantelt werden kann. In längeren Fahrpausen empfiehlt sich im Winter zudem die Entnahme des Akkus mit Aufbewahrung in einem warmen Raum.

Unsere Tipps für mehr E-Bike Reichweite im Überblick:

  • Hohe E-Bike Akkukapazität
  • Vorausschauendes Fahren
  • Im Winter den Akku vor Kälte schützen
  • Hohe Trittfrequenz, Drehzahlen um die 60 bis 70 Umdrehungen pro Minute sind optimal
  • Rechtzeitige Gangwechsel
  • Sparsame Fahrmodi bevorzugen
  • Regelmäßige E-Bike Wartung, Verschleißteile des Antriebs rechtzeitig austauschen
  • Systeme mit Rekuperation (Energierückgewinnung) sorgen für ein Plus an Kilometern

Für ein Plus an Kilometern: Hohe Akkukapazität und Optimierung der Bedingungen

Es lohnt sich also unbedingt, beim Kauf eines neuen E-Bikes auf die Akkukapazität zu achten. Da ein stärkerer Akku nur unwesentlich teurer ist, sollte im Idealfall direkt ein Plus an Wattstunden gewählt werden. Die nachträgliche Umrüstung ist zwar oftmals möglich, aber recht kostspielig. Eine tolle Option zum schnellen Aufstocken bieten Range Extender. Um die Reichweite des E-Bikes zu steigern, kann sich ein kritischer Blick auf den eigenen Fahrstil ebenfalls auszahlen. Im Winter empfiehlt sich zudem ein Kälteschutz für den Akku.